K i r c h e n m u s i k   T r e b g a s t
 


Geschichtliches aus dem Kirchenarchiv


Erfreulicherweise sind im Trebgaster Kirchenarchiv viele Originaldokumente vorhanden, die uns Informationen über die Kirchenmusik, die Kantoren und ihre Instrumente geben.


Nachfolgend möchten wir Ihnen verschiedene Originaldokumenten zeigen und Inhalte alter Schriftstücke in „...“ sowie Anmerkungen hierzu wiedergeben:


„1675    ist eine große Orgel in die Kirche gekommen“...


“Anno 1675 in Januario ist damahls in Culmbach abgehörter Gotteshausrechnung

das Verlangen der Eingepfarrten nach einem Orgelwerckl. angebracht, dasselbe

von den Herrn Super.Wolfg. Erhardi mit H. Castner Carl Dietrich Thüngern,

von ihnen einmütig beschlossen worden, daß die Gotteshauspfleger nebst mir

(Pfr. Knopf) noch selbigen Tag bey H. Matthias Tretschern, Orgelmacher etl.

werckl. besichtigt und eines derselben mit Zuziehung des H. Castners Thüngern

erhandelt haben so uff die 150 Reichsthaler und 6 Reichsthaler Leikauffes gemacht.

Solches ist in der Charwoche hier nächst dem Chor aufgerichtet und aufs Osterfest

zum ersten Male öffentlich geschlagen worden, als hat auch die Notdurft

gefordert, dazu einen Organisten zu bestellen, der zugleich in der Schule sollte den Schulmeister collaborieren. Gott laß es alles zu seiner Ehr und der ganzen Pfarrgemeinde Nutz und Wohlstand gereichen um Jesu willen. Amen. Ist auch in diesem Jahr stracks ausgemahlet worden. M. Knopf. Pastoris“ ... 


„Zum ersten Organisten wurde berufen Hans Sahr, Bäckersohn von Trebgast, so vorher schon etliche Jahr die Orgel zu Wirsberg geschlagen und in der Schul collaboriert hatte.

Ihm hat succedieret: Johann Kreil von Schöneck im Vogtland, welcher im Monat Oktober 1680 seinen Dienst angetreten, war damals 18 Jahre alt. Nach 11-jährigem Organistendienst wurde ihm der ganze Schul- und Kirchendienst allhier übertragen. Es wurde hinfort kein besonderer Organist mehr aufgestellt“


(Die Orgel wurde ca. 30 Jahre später von dem Orgelbauer Felix Daniel Streit ausgeputzt, gestimmt und die Bälge repariert. Im Jahre 1710 wurde sie von Felix Daniel Streit auf den Schülerchor versetzt)



„1741    stiftet Anna Steiner, Wergners-Ehefrau, vorher verehelichte Depser in Ködnitz die Wiese an der Eyserlohe, Ködnitzer Au an das Gotteshaus zum Nutzgemüse des Organisten in Trebgast.“



Im Zuge des Kirchenneubaues wurde ebenfalls

eine neue Orgel angeschafft, da die alte Orgel

zu klein und fast unbrauchbar  geworden war.

Am 21.04.1744 wurde mit den Orgelbauern

Johann Jakob Graichen und Nicolaus Ritter

ein „Akkord“ (Vertrag) abgeschlossen. Dieser

beinhaltet, dass die Orgelbauer ein neues Orgel-

werk in zwei, höchstens dreieinhalb Jahren

einrichten sollten mit“ zweyen Clavieren, nebst

dem Pedal und langer Octav“. Sie sollte für das

Hauptwerk 9, für das Oberwerk 7 und für das

Pedal 3 Register umfassen.

Die Lieferung der Orgel verzögerte sich aller-

dings um ein Jahr, da die Orgeln in Rehau und

Schauenstein nach Begründung Graichens noch

hätten repariert werden müssen. Zudem habe er

etliche Male „auf Ihro hochf. Durchl. gnädigsten

Befehl“ nach Bayreuth gemusst, um einige Ar-

beiten zu erledigen. Stadtorganist Thübel aus

Kulmbach führte die Abnahme der Orgel durch,

die am 10.04.1750 fertiggestellt werden konnte.


Nebenstehend die Disposition in Originalhand-

schrift von Johann Jakob Graichen



Stadtorganist Thübel setzte sich bei Superintendenten Silchmüller für die Bitte der Orgelbauer ein, einen Zuschuss in Höhe von 80 Talern zu gewähren, da sie „sonst nur  Schaden und Einbuße hätten“. Thübel bezeichnete die Orgel eine „gute Arbeit, die einen erklecklichen Zuschuß verdiene“. Der Zuschuss wurde von Superintendent Silchmüller befürwortet mit der Begründung „die Liebe erfordere des Nächsten Schaden abzuwenden“.



                                                                links : Festschrift von Michael Scheuenstuhl (Kantor an St.

                                                                Michaelis - Hof) an die Orgelbauer.
















„1898    kam die neue Orgel, von Strebel

aus Nürnberg gebaut in die Kirche. Das

Staatsärar leistete die Kosten“



rechts: Orgelbau-Vertrag mit der Fa. Strebel

aus Nürnberg














rechts: Originalprogramm des Orgelweihe-

Konzertes am 21.08.1989 anläßlich der

neuen Orgel von Strebel.


Mitwirkende waren laut Programm

seinerzeit:

„Fräulein E. Caselmann aus Bayreuth

(Sologesänge)

Herr Musikdirektor E. Schmidt aus

Rothenburg o/T. (Orgel) und der

Lehrer-Männerchor“





















unten: Bescheinigung des Königlichen Bezirksamts vom 09.07.1917 mit folgendem Text:                                          


„Es wird bescheinigt, dass die unter dem 08.März 1917 mit zusammen 276 kg gemeldeten Prospekt- pfeifen aus Zinn in der Orgel der Kirche zu Trebgast auf Antrag der Kirchenverwaltung Trebgast vom 06. März 1917...von der Beschlagnahme, Enteignung und Ablieferung befreit worden sind. Grund der Befreiung: Werk aus d. J. 1750 von Hofbildhauer Joh. Gabr. Rautz (Räntz) Bayreuth , typischer Markgrafenstil gemäß Gutachten des von der Landeszentralbehörde mit der Prüfung beauftragten Sachverständigen. Kulmbach, 09. Juli 1917“         


































rechts: Kostenvoranschlag der „Orgel-

bauanstalt E. Dietmann, Lichtenfels“

vom 20. Juni 1938 über die „Reinigung

und Stimmung der Orgel in der Kirche

zu Trebgast“


Die Durchführung der Arbeiten sollte

275 Reichsmark kosten.


In den genannten Bedingungen heißt es:

„Währent der Stimmung ist ein Blase-

balgtreter kostenfrei zu stellen. Die Firma

  1. E.Dietmann, Lichtenfels leistet eine

Garantie von 2 Jahren.“















Kantor Holl mit seinen Chorschülern, die zu Hochzeiten und Beerdigungen sangen (um1930)